Forderungen nach einem möglichst sofortigen Ausstieg – ohne Rücksicht auf die Folgen für eine nachhaltige, bezahlbare und international wettbewerbsfähige Energiepolitik - sind nach dem Atom-GAU verständlich aber kurzsichtig. Traditionelle Wahlentscheidungen bürgerlicher Kreise geraten ins Wanken. Die Opposition profitiert davon, schürt dies sogar noch, ohne durchdachte, realisierbare Konzepte nachzuweisen.
Der Katzenjammer wird kommen. Nicht nur, dass es den Wahlsiegern schwer fallen wird, die geweckten Erwartungen kurzfristig zu erfüllen. Das dämmerte bereits am Wahlabend einigen noch siegestrunkenen Wahlkämpfern. Die beschleunigte Umstellung auf umweltschonende, erneuerbare Energien wird auch teuer: Der Sachverständigenrat für Umweltfragen rechnet mit fast 1,5 Billionen € an Kosten und Investitionen für Gebäudesanierung, Elektrofahrzeuge, alternative Treibstoffe, neue Starkstromtrassen, Speicherkapazitäten etc., etc. bis 2050, wenn Atomstrom und bisher mehr als 70 % Strom aus fossilen Energien ersetzt werden sollen. Schneller wird es wohl technisch, wirtschaftlich und rechtlich nicht gehen. Die Grünen machen sich und uns da etwas vor! Auch ist die Umweltverträglichkeit vieler „alternativer Energien“ bekanntlich fraglich.
Der Rest der Welt wird uns kaum den Gefallen tun, sich da anzuschließen. Es sei denn analog dem Euroschutzschirm mit enormen Beiträgen deutscher Steuerzahler. Die Folgen für Währung, Wirtschaftskraft, Wettbewerbsfähigkeit und unseren Wohlstand sind nicht abzusehen. Aber wir habens ja...
Das 3-monatige Moratorium der Bundesregierung ist jedenfalls das Mindeste, um die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine verantwortungsbewusste Energiewende zu prüfen.
28.3.2011
Otto Dietrich Knapp
Diplom-Volkswirt
Fürth

