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  • Von Dr. Stefan Schweiger

    Gas aus Russland, ja - aber nur von dort, nein!

    (16.09.2010) Die Frage, wie lange in Deutschland Kernenergie noch produziert werden darf, ist zwar nur eine von vielen im Ringen um die Energieversorgung Deutschlands. Sie ist aber die gegenwärtig innenpolitisch heikelste. Es wurde jetzt einstweilig etwas Klarheit geschaffen, allerdings nur unter den Voraussetzungen, dass Karlsruhe die Entscheidung für rechtens hält und dass spätere Bundesregierungen dann nichts Wesentliches wieder zurückverändern. Ja, es gibt jetzt ein schlüssigeres Stromenergiekonzept - egal, ob man es als "revolutionär" bezeichnet - wie die Bundeskanzlerin - oder nur schlicht als Ausräumung bisheriger grösserer Ungewissheiten.


      
Ein ganzheitliches E n e r g i e k o n z e p t ist das leider noch nicht - es gilt, wie gesagt, nur für die Elektrizität. Die überaus grosse Abhängigkeit Deutschlands von täglichen Öl- und Gaslieferungen (36% bzw. 21% der Gesamtenergie) ist nach wie vor nicht gemindert. Während Uran oder fertige Kernbrennstäbe (Kernenergie = 21% der Gesamtenergie) bevorratet werden können, ist das mit den viel voluminöseren Öl- und Gaslieferungen zum Beispiel aus Russland viel schwieriger. In Kavernen oder in Tanklagern gibt es "strategische Vorräte", aber die Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Osten ist noch riesig (32% unseres Öls und zudem 37% unseres Erdgases!). Deshalb muss ausser nach geographischer Diversifizierung (Nordsee, Nordafrika, Flüssiggas von überall) der Bezugsregionen der Bau jener langen Gasleitung (3300km) , die so schön NABUCCO genannt wurde (Gas aus Mittelost, nämlich dem Kaspischen Meer, Iran, Ägypten und Irak über die Türkei und Teile des Balkans nach dem europäischen Gashub in Österreich) beschleunigt werden ? und auch die Rohstoffsuche deutscher und mitteleuropäischer Firmen im Ausland gehört aussenpolitisch stärker gestützt. Deutschland ist als rohstoffarmes Hochindustrieland sehr empfindlich gegenüber jeder Störung des Rohstoffimports. Dessen ist die Öffentlichkeit unseres Landes und sind wohl auch die Parteien nicht genügend bewusst - aber die nächste Störung kommt gewiss!
Dr. Stefan Schweiger

Anm.: Der österreichische Gashub liegt in Baumgarten an der March. Die Leitung vom Kaspischen Meer führt über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn dorthin. Es sind übrigens 200.000 Rohre aus 2 Mio. to Stahl hierfür nötig. Konsortialführer ist OMV (Österreich), weitere Konsorten sind neuerdings die deutsche RWE und bislang schon MOL (Ungarn), S.N.T.G.N. Transgaz S.A. (Rumänien), Bulgargaz-Holding EAD (Bulgarien), Botas Petroleum Pipeline Corporation (Türkei).

 

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