FDP Nürnberg - Freiheitlich - Individuell - Tolerant - „Mitnahme der Menschen“ im politischen Geschäft – was eigentlich ist das?

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  • „Mitnahme der Menschen“ im politischen Geschäft – was eigentlich ist das?

    (08.01.2011) Manchmal komme ich mir vor wie ein moderner Ketzer, wenn ich in den fürchterlich vielen Talk-Shows und in den Medien allgemein von „Mitnahme der Menschen“ höre oder lese. Soll ich, der seit langer Zeit politisch sich engagiert hat, nun mir vorkommen als hätte ich zu Beginn einer schönen und freudvollen Reise in die Toscana jemanden stehen lassen in nördlichem und kaltem Regen, d.h. die Mitnahme in den schönen Süden verweigert – und dazu noch einem „Menschen“, als sei ich selbst kein homo sapiens. Nein, das Wort von der (angeblich mangelhaften, aber notwendigen) „Mitnahme der Menschen“ geht mir allmählich auf den Keks.
All Parteien in Deutschland machen die Tore weit auf, Mitglieder in ihre Reihen aufzunehmen, also Leute, die hier mitdenken und mitbestimmen wollen. Dann stehen ihnen Arbeits- und Gesprächsgruppen, Ausschüsse und Delegiertenfunktionen, kurzum mannigfache Mitwirkungsmöglichkeiten bis zu inneren Kandidaturen (in der Partei) und zu Mandaten (in den Parlamenten) offen – und Informationen sowieso – und dies noch und noch. Aber selbstverständlich kostet all das neben dem Geld der Mitgliedsbeiträge auch Zeit – und eine gewisse Stetigkeit. Nur knapp zwei Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland finden und gehen diesen Weg – und das letzten Endes sind dann, so sie sich engagieren „die Politiker“. Ja gewiss, gemeint ist mit der gängigen Politikerschelte wohl nur derjenige, der bis zum Erringen eines Mandats wirklich gelangt ist, also der gewählte Parlamentarier. Er ist derjenige, der leichthin als der Realität entfernt, dem Alltag der Bürger entronnen und vieler Sorgen ledig gilt – was für ein Unsinn! Und was für ein Zerrbild vom Alltag „des Politikers“! Hier wird nach wie vor häufig Demokratie noch mit (schlechter) Feudalherrschaft verwechselt. Zurück zur „Mitnahme“, also in die Gesprächskreise, in die Fachausschüsse, in die Bürgersprechstunden, zu den Infoständen, in die Aufklärungsversammlungen, zu Problemdiskussionen, zu Besuchen im Parlament - alles ist öffentlich, die Medien berichten – und vieles erlebt man mit oder informatorisch sofort. Wer will, holt sich Hintergrundinformation und wer zweifelt, hört und liest mehrere Quellen. Noch einmal: Beinahe alles ist öffentlich, sodass selbst ein „Maulwurf“ oder ein „Spion“ nicht wirklich Neues zutage bringen kann. Sogar die investigative Journalistik findet selten ein sachlich bedeutendes Geheimnis, deckt meist nur m e n s c h l i c h e s Fehlverhalten und m e n s c h l i c h e Fehler auf. Die politischen Absichten und Handlungsstränge sind in aller Regel transparent. Könnte es sein, dass die Vokabel von der „fehlenden Mitnahme der Menschen“ eigentlich heissen müsste „fehlendes Mitgehen der Leute“? Ist es nicht eigentlich so, dass in den Alltag „der Menschen“, der gehetzten und gestressten, Politik im Allgemeininteresse nicht mehr hineinpasst? Dies so gewiss bei den einen. Bei anderen, die Zeit wohl neben ihrem Existenzkampf und neben Familie noch hätten, fehlt einfach die Lust und dann das Interesse, ist die Freizeit anders verplant – und so passt Politik einfach auch dort nicht mehr herein, - der Tag hat nur 24 Stunden. Kurzzeitengagement, wenn es um höchstes Eigeninteresse unmittelbar vor der Haustür geht, einmal ausser Betracht. Zugestanden: Es ist nun einmal durchaus auch das Recht „der Menschen“ zu sagen „das ist mir zuviel“ – ganz gleich aus welchem Grund, aber eine schäbige Missdeutung seitens „der Menschen“ ist es, wenn die Schuld an diesem Nichtmitgehen einseitig den politisch Engagierten zugeschoben wird. Das ist einfach und bequem, aber es ist alles andere als ehrlich vor sich selbst. Und auch deshalb muss sich nicht wie ein Ketzer vorkommen, wer dem Mainstream hinsichtlich dieser Vokabel nicht folgt, sie abwehrend zur Kenntnis nimmt. Mainstream kann gewaltig sein, sogar sehr gewaltig, aber Recht muss Mainstream nicht haben. Soll sich an den Mainstream anpassen, wer will, aber wer nicht, muss sein Gewissen wirklich nicht belasten. Er trägt nicht auch diese Schuld. Dr. Stefan Schweiger

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