FDP Nürnberg - Freiheitlich - Individuell - Tolerant - Zur Stammzellenfrage: „Da muss die FDP zurückpfeifen!“

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  • Zur Stammzellenfrage: „Da muss die FDP zurückpfeifen!“

    (23.10.2010)

    Das Bundesverfassungsgericht hat die Voruntersuchung und eventuelle Aussortierung von Stammzellen mit genetischen Defekten bei der Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung für z u l ä s s i g erklärt. Es wäre ja auch ausgesprochen vernunftwidrig, eine solche Untersuchung und Aussortierung zu unterlassen und das Risiko einzugehen, dass dann ein Embryo oder Fötus mit einer extremen Behinderung heranwächst, der dann legal als „medizinische Indikation“ abgetötet wird.  

Ein Schwangerschaftsabbruch ist für die Frau auch eine kolossale psychische Belastung. Warum also erst Frauen schwanger werden lassen, um dann doch die unterlassene Aussortierung nachzuholen? Am 17.10 d. J. kam in den Nachrichten die Mitteilung, dass Merkel diese vernünftige Voruntersuchung und Aussortierung gendefekter Stammzellen (auf andere Kriterien darf die Voruntersuchung ohnedies nicht ausgedehnt werden) durch Gesetz verbieten will. Man kann darüber rätseln, ob da mehr die Pfarrerstochter oder mehr das Kalkül das Vorhaben veranlasste, die Konservativen in den eigenen Reihen zu besänftigen.

Der Fall ist jedoch ein Musterbeispiel dafür, wie schnell die Vernunft selbst bei hochintelligenten Leuten auf der Strecke bleibt, wenn sie etwas durch die „bigotte religiöse Brille“ sehen. Zum Glück melden sich nicht nur aus der FDP, sondern auch aus der Union bereits Gegenstimmen. Die Haltung der Kanzlerin ist auch deshalb total unverständlich, weil sie nur wenige Tage zuvor, an die Adresse der Muslime in Deutschland gerichtet, klar darauf hinwies, „maßgebend ist unser GG und nicht die Scharia“, was doch soviel heißt, dass nicht religiöse Glaubens- und Moralvorstellungen die weltlichen Gesetze unterlaufen oder aushebeln können. Im Klartext heißt das aber dann doch auch, „maßgebend sind auch nicht die Bibel und christliche Glaubens- und Moralvorstellungen“. Merkels Vorstoß wäre auch ein Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung, dessen bedeutendster Philosoph, Immanuel Kant, nicht nur die Forderung aufstellte: “Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“, ihn also nicht wegen Glaubensvorschriften auszuschalten, sondern der auch seinen berühmten kategorischen Imperativ aufgestellt hat: „Handle stets so, dass die Maxime Deines Willens jederzeit zur Grundlage einer allgemeinen (also gerade nicht nur einer bestimmten religiösen) Gesetzgebung dienen können.“

Es bleibt gläubigen Christen, die eine künstliche Befruchtung durchführen lassen wollen, selbstverständlich völlig unbenommen, auf eine solche Voruntersuchung der zur Verfügung stehenden Stammzellen zu verzichten, aber Christen sollen nicht versuchen, eigene fundamentalistische und widervernünftige Moralvorstellungen auch anderen aufzuoktroyieren. Wir wollen das weder von den Muslimen noch von den Christen oder anderen Religionen.

Die FDP sollte daher klar und öffentlich dieses unsinnige Vorhaben der Kanzlerin ablehnen.

Verfasser ist der Redaktion bekannt. 

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